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Tag-Archiv: 50-10-40% Formel

Eine der am häufigsten zitierten Fakten über Glück lautet wie folgt:

50% des Glücks wird von Ihren Genen bestimmt.

10% des Glücks wird durch die Umstände bestimmt, in denen Sie leben.

40% des Glücks wird durch Ihre Handlungen, Ihre Einstellung oder Ihren Optimismus und den Umgang mit Situationen bestimmt.

Diese Zahlen werden oft von positiven Psychologen zitiert, um Behauptungen zu untermauern, dass zumindest ein Teil unseres Glücks vom Menschen gemacht ist. Es ist eine tröstliche Botschaft: trotz der Tatsache, dass es eine bestimmte genetische Veranlagung gibt, glücklich zu sein, gibt es viele Dinge im Leben, die wir ändern können, um glücklich zu sein. 40% sind ein großer Handlungsspielraum! Stellen Sie sich vor, wir könnten 40% des Wetters oder den Verkehr auf dem Weg zur Arbeit kontrollieren.

Nach diesen Theorien würde Glück so aussehen:

Quelle: Geldgeber und Gründer, basierend auf Material in ‚The How of Happiness‘

Die berühmte 50-10-40% Formel ist prominent in der Arbeit der positiven Psychologin Sonja Lyubomirsky. Basierend auf einer Reihe von Forschungen auf diesem Gebiet argumentierten sie und ihre Kollegen, dass etwa 50% der Varianz des Glücks durch Gene und 10% der Varianz des Glücks durch Umstände bestimmt werden. Das wären automatisch 40%, die wir beeinflussen können.

Abgesehen davon stimmt vieles nicht mit den Zahlen und der Interpretation.

Varianz im Glück ist nicht gleich Glück

Um mit der ersten wichtigen Nuance zu beginnen: Diese Zahlen erklären die Varianz im Glück – oder die Variation im Glück zwischen verschiedenen Menschen. Das heißt, genetische Faktoren – oder das Vorhandensein vererbbarer persönlicher Merkmale – können etwa 50% des Unterschieds im Glücksniveau zwischen zwei Menschen erklären. Es ist ein kleines, aber wichtiges Detail. Wenn eine Person 7 von 10 Punkten und eine andere Person 8 Punkte erzielt, können 50% dieses 1-Punkt-Unterschieds auf genetische Merkmale zurückzuführen sein. Das ist nicht dasselbe wie zu sagen, dass für eine Person, die 8 Punkte erzielt, die Hälfte ihres Glücksniveaus oder 4 Punkte auf die Genetik zurückzuführen sind.

Warum 50% genetisch und nicht 40% oder 60%?

Woher kommt diese Theorie? Eine Studie von Lykken und Tellegen aus dem Jahr 1996 verglich das Wohlbefinden von Proben von Paaren identischer und nicht identischer Zwillinge in Minnesota, die entweder zusammen oder getrennt aufgezogen wurden. Diese Differenzierung ermöglicht es, sowohl die Auswirkungen derselben oder unterschiedlicher Genetik (identisch oder nicht identisch) als auch der gleichen oder unterschiedlichen Umgebung (zusammen oder getrennt aufgezogen) zu testen, z. B. sowohl Natur- als auch Pflegeeffekte. Eineiige Zwillinge teilen nämlich dieselben Gene und nicht identische nicht.

Lykken und Telleken fanden heraus, dass die Korrelation des Wohlbefindens eineiiger Zwillinge in beiden Fällen bei etwa 50% liegt, signifikant höher als bei nicht identischen Zwillingen (2-8%). Daraus schließen sie, dass etwa die Hälfte der Variation genetisch bedingt ist. Dies würde eine weitere Hälfte von anderen Faktoren abhängen lassen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese spezielle Studie eine begrenzte Stichprobe enthält. Die kleinste Gruppe besteht aus nur 36 Paaren oder 72 Personen. Aus einer Stichprobe von Zwillingen in Minnesota, Es ist schwer, so starke Schlussfolgerungen für die menschliche Bevölkerung als solche zu ziehen.

Ist es so einfach?

Die Varianz des Glücks ist nicht die vollständige Antwort. In einem Kommentar über die Präferenz positiver Psychologen für abgerundete Zahlen stellt Todd Kashdan einige andere Probleme mit der Genetik fest.

Der erste Punkt ist, dass persönliche Merkmale – beeinflusst durch die Genetik – über das Leben nicht stabil sind. Merkmale werden durch einen Prozess geformt, der als Emergenese bezeichnet wird. Wenn ein Merkmal ‚emergenic‘ ist, wird es durch die Interaktion von ein paar Genen zusammen beeinflusst. Dies kann zu einer verhaltensbedingten Veranlagung führen, extravertiert, selbstkontrolliert oder ein anderes Merkmal zu sein. (Und ebenso gibt es kein ‚Glücksgen‘).

So weit so gut. Aber die Art und Weise, wie diese Gene funktionieren, wird von vielen anderen Faktoren beeinflusst. Ein Beispiel, das Kashdan erwähnt, ist, dass Toxine oder Nährstoffe in der Umgebung einer Person Gene ein- und ausschalten können. Die Funktion eines einzelnen Gens kann wiederum einen solchen emergenischen Faktor beeinflussen. Wenn Sie einen Block von einem Turm hinzufügen oder entfernen, wird es anders aussehen.

Das erinnert mich an ein anderes Beispiel, das ich in einem Kurs über Glück gelernt habe. Eine bestimmte Person kann eine genetische Veranlagung für Führung haben. Aber wenn er in einer Umgebung aufwächst, in der seine Handlungen unterdrückt werden, wird das Talent nicht zum Tragen kommen. Als solche könnten Gene als ‚ermöglichende‘ Faktoren angesehen werden, die nur dann zu einem Ergebnis (wie Glück) führen, wenn die zugrunde liegenden Bedingungen erfüllt sind.

Gene interagieren mit der Umwelt

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Interaktion von Genen und Umwelt. Im selben Artikel schreibt Kashdan, dass

Vieles, was unsere Persönlichkeit beeinflusst, mit dem Vorhandensein von (positiven und negativen) Lebensereignissen und unserer Reaktion auf Wahlpunkte zu tun hat. Gehe ich auf meinen Kollegen zu oder vermeide ich ihn, der mich regelmäßig erniedrigt? Wache ich früh auf und trainiere oder schlafe ich aus? Frage ich das Mädchen, in das ich seit Monaten verknallt bin, oder behalte ich meine Gefühle für mich? Keine einzelne Entscheidung ist wichtig, aber die Muster tun es. Die Entscheidungen, die wir treffen, die Menschen, mit denen wir uns umgeben, und die Verhaltensweisen, mit denen wir uns beschäftigen, sind die Bausteine für die Qualität unseres Lebens. Kleine Veränderungen häufen sich im Laufe der Zeit an und führen zu großen Veränderungen in dem, wer wir werden.

Unsere Persönlichkeit ist das Ergebnis eines komplexen Prozesses, in dem Gene und Umwelt interagieren. Kann man da wirklich eine harte Zahl setzen?

Glück ist keine Formel

Meine Antwort ist nein. Es gibt keine bequeme Formel für Glück. Was wir sagen können, ist, dass unsere Gene eine wichtige Rolle bei der Bestimmung des Glücks spielen. Aber auch andere Faktoren, einschließlich unserer Umstände, Umwelt, und unsere Handlungen. Glück ist keine harte Wissenschaft. Es ist ein viel zu komplexes Phänomen, um es zu quantifizieren. Aber vielleicht ist das einer der Gründe, warum es so faszinierend ist.

Anstatt wie ein Kreisdiagramm mit drei Elementen kann Glück eher wie ein komplexes System aussehen:

Das Internet als komplexes System. Quelle: opto.org

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